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B wie Blog – aus der Süddeutschen Zeitung

B wie Blog

Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren.

Von Felix Salmon
 http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29176
 

1. Das Internet ist eine große Gleichheitsmaschine, was dazu führt, dass selbst junge und sogar anonyme Blogger berühmt und wichtig werden können. Respektierte Professoren und einflussreiche Experten dagegen werden in der Blogosphäre oft ignoriert, weil sie nicht sagen, was sie wirklich denken, oder weil das, was sie sagen, einfach zu langweilig und vorhersehbar ist. Deutschland funktioniert genau andersherum: Hier ist man immer noch fixiert auf Status und Hierarchie.

2. In Deutschland zählt Qualifikation mehr als alles andere. Die Leute verbringen Jahrzehnte damit, die verschiedensten Diplome und Zeugnisse und Zertifikate zu sammeln, und wenn sie dann alles beisammenhaben, sorgen sie dafür, dass die Welt das weiß. Wenn man kein Papier hat, auf dem steht, dass man sich zu diesem oder jenem Thema äußern darf, dann darf man seine Meinung auch keinem anderen zumuten. Die Leser sind übrigens nicht viel anders, auch sie wollen zuerst wissen, ob der Schreiber qualifiziert genug ist, bevor sie sich dafür interessieren, was der Schreiber denkt. In der Blogosphäre dagegen ist es völlig egal, ob jemand ein zertifizierter Meinungsträger ist – was zählt, ist allein, ob die Meinungen stichhaltig, originell und klug sind.

3. In Amerika ist es den meisten Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft wichtig, was die Blogosphäre sagt – sogar einem selbstherrlichen Ökonomen wie Larry Summers, dem Chefdenker der Obama-Administration. Er liest Blogs täglich, und zwar nicht nur solche von Technokraten mit einem großen Namen. Er liest auch die Blogs von Leuten, die normalerweise kein Gehör finden würden in der Politik. Er respektiert die Stimme des Volkes, was eine sehr amerikanische Haltung ist und keine besonders deutsche.

4. Um ein guter Blogger zu sein, muss man ganz andere Dinge können als ein großer Ökonom oder Banker. In Deutschland denken die Menschen dauernd an ihre Karriere und kümmern sich eher um die Fähigkeiten und Voraussetzungen, die wichtig sind für ihren Beruf, als um die viel weniger wichtigen Faktoren, die sie zu einem guten Blogger machen würden.

5. Ein Blogger muss sich irren, wenigstens manchmal. Wenn er sich nie irrt, dann ist er nie interessant. In den meisten Ländern ist das eine der großen Schwierigkeiten für die Blogo-sphäre: Die Menschen haben Angst davor, etwas zu schreiben, das sie dumm aussehen lässt. In Deutschland ist diese Angst besonders stark ausgeprägt, weil hier jedes öffentliche Wort genau gewogen wird. Wenn du über etwas schreibst, womit du dich nicht auskennst, wirst du Angst haben, einen wichtigen Aspekt zu übersehen. Wenn du über etwas schreibst, womit du dich gut auskennst, wirst du Angst haben, dass die Leute dich nicht mehr ernst nehmen, wenn du einen Fehler machst.

6. Die Deutschen sind methodisch und systematisch und umfassend in dem, was sie tun. Die Blogger lieben Schnellschüsse, sie machen Dinge ad hoc, es ist schwer, sie festzunageln.

7. Blogger sind die natürlichen Außenseiter, sie sind sogar stolz auf diesen Status und sehen sich gern als die Einzigen, die im Angesicht der Macht die Wahrheit sagen. In Deutschland kommt man nicht besonders weit, wenn man sich zum Außenseiter erklärt, man gewinnt kein Ansehen – und Ansehen ist etwas, wonach fast alle Deutschen streben.

8. In Amerika sind es, gerade im Wirtschaftsbereich, vor allem Professoren, die bloggen – und die lieben nichts mehr, als Ideen auszutauschen und miteinander online zu diskutieren. Deutschland hat eine andere Professorenschaft, andere Universitäten und vor allem kein Blogger-Nest wie die George Mason University in Virginia.

9. Die Deutschen werden nicht arbeiten, wenn sie kein Geld dafür bekommen, und Bloggen wirkt auf sie verdächtig wie Arbeit. In Amerika verdient man mit Bloggen nur indirekt Geld, durch Ruhm und Bekanntheit, die einem der Blog bringt. Da ein deutscher Blog kaum Ruhm oder Bekanntheit bringen wird, gibt es keinen wirklichen Grund zu bloggen.

10. Die Deutschen nehmen ihre Ferien extrem ernst. Der Blogger kennt keine Ferien.

Felix Salmon, 37, ist mit seinem Blog über Wirtschafts- und Finanzthemen vor kurzem von portfolio.com zu Reuters umgezogen (*) und bloggt zudem auf http://www.felixsalmon.com.


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Vous avez manqué karambolage?

  • Besondere Momente der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich : .     Je ne trouve pas la version francaise …

 

 

  • Dieses Video habe ich leider nicht hier einbinden können.  Die deutsche Version vom obigen Video:

http://www.arte.tv/de/Videos-auf-ARTE-TV/2151166,CmC=2678728.html?tab=tab6&page=1&sort=1&ascending=false 

und die Themen:

Karambolage – Sendung vom 7. Juni 2009

die Art und Weise: Bounty – Inventar: die Taxisäulen – der Gegenstand: Birkenstock – die Glosse von Jean-Pierre Lefèbvre: meine Birkenstock – das Rätsel


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Différences culturelles?

26/05/2009
2 Kommentare

Utilisez-vous l’encyclopédie Wikipédia? Avez-vous un blog? Les Allemands apprécient beaucoup l’encyclopédie collective établie sur internet. Les blogs quant à eux ne sont pas encore trés répandus.

Je n’ai pas de statistiques correspondantes, mais la question m’intéresse. Si vous avez envie de nous faire part de vos expériences, vos commentaires sont les bienvenus!

Sylvaine


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Kulturelle Unterschiede?

26/05/2009
2 Kommentare

Vor mehreren Wochen habe ich gelesen, dass die Deutschen die Enzyklopädie Wikipedia besonders schätzen und nutzen, die Franzosen dagegen eher zurückhaltend damit umgehen. Einen Blog (le blog oder le  blogue) hat fast jeder in Frankreich. In Deutschland ist diese Methode der virtuellen Kommunikation nicht so verbreitet.

Den Gedanken fand ich interessant und er verführte mich zu verschiedenen Hypothesen über die Gründe für diesen Unterschied.

Es wäre ein schönes Thema gewesen für meinen ganz neu eingerichteten Blog gewesen. Ich hätte Euch gefragt, liebe Deutsche und Franzosen, wie Ihr Wikipedia und Blog nutzt, was Ihr schätzt und was nicht.

Vorher wollte ich doch noch prüfen, ob die anfängliche Aussage stimmt. Und mir scheint, dass sie nicht stimmt!

Die von Wikipedia veröffentlichte Statistik http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Statistik und die Graphik http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Entwicklung_der_Artikelanzahlen_der_f%C3%BCnf_gr%C3%B6%C3%9Ften_Wikipedias.png deuten darauf hin, dass die Entwicklung von Wikipedia in Deutschland und Frankreich ähnlich verläuft.

Datei:Entwicklung der Artikelanzahlen der fünf größten Wikipedias.png

 

 

Zahlen zur Entwicklung von Blogs habe ich nicht. Mir fällt aber auf, dass auf vielen websites angeboten wird, einen Blog zu eröffnen: die Zeitung Le Monde z.B. biete ihren Abonenten an, ihren Blog auf www.lemonde.fr zu veröffentlichen.

Wisst Ihr etwas zu den Unterschieden in der Nutzung von Blog und Wikipedia in verschiedenen Kulturen? Habt Ihr Hypothesen dazu?

Ich freue mich auf Eure Beiträge

Sylvaine


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